Die Serie im Überblick
„Pfarrer Braun" ist eine deutsche Krimireihe der ARD, die lose auf G.K. Chestertons Father-Brown-Erzählungen basiert. In 22 Fernsehfilmen, ausgestrahlt zwischen April 2003 und März 2014, ermittelt der bayerische Pfarrer Guido Braun in Mordfällen quer durch die Republik — sehr zum Leidwesen seines Bischofs, der ihn dafür regelmäßig strafversetzt.
Hauptdarsteller Ottfried Fischer verkörperte die Titelfigur als schlagfertigen, bibelfesten Geistlichen mit einem untrüglichen Gespür für menschliche Abgründe. Die Titelmusik von Martin Böttcher greift Motive seiner eigenen Filmmusik aus den Heinz-Rühmann-Filmen „Das schwarze Schaf" (1960) und „Er kann's nicht lassen" (1962) auf — und schlägt damit eine musikalische Brücke zwischen den verschiedenen Generationen der Pater-Brown-Verfilmungen.
Die Erstausstrahlungen erreichten bis zu acht Millionen Zuschauer und machten „Pfarrer Braun" zu einer der erfolgreichsten ARD-Filmreihen der 2000er Jahre.
Ottfried Fischer — Porträt
Ottfried Fischer wurde am 7. November 1953 in Ornatsöd bei Untergriesbach im Bayerischen Wald geboren und wuchs auf dem Bauernhof seines Vaters auf. Nach dem Abitur am Maristengymnasium Fürstenzell begann er ein Jurastudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das er zugunsten der Bühne abbrach.
1978 gründete er die Kabarettgruppe „Machtschattengewächse" im Münchner Hinterhoftheater. Seinen Durchbruch als Schauspieler erlebte er 1986 mit der BR-Produktion „Irgendwie und Sowieso", in der er die Rolle des Sir Quickly spielte — eine Figur, die zum Synonym für Fischers Schauspielstil wurde.
Es folgten Kinoerfolge wie „Zärtliche Chaoten" (1987), „Go Trabi Go" (1991) und „Superstau" (1991). Seinen größten Fernseherfolg feierte Fischer als Kommissar Benno Berghammer in der Sat.1-Reihe „Der Bulle von Tölz" (1995–2009, 69 Folgen), parallel dazu lief die Reihe „Der Pfundskerl" (1999–2005, Sat.1). Von 1995 bis 2012 moderierte er die Kabarettsendung „Ottis Schlachthof" im Bayerischen Rundfunk (173 Folgen).
2008 gab Fischer öffentlich seine Parkinson-Erkrankung bekannt. Im Mai 2013 teilte die Produktionsfirma mit, dass die fortschreitende Erkrankung das Ende der Reihe „Pfarrer Braun" erforderlich mache. Die letzte Folge „Brauns Heimkehr" wurde am 20. März 2014 ausgestrahlt. Fischer ist seit 2020 mit Simone Brandlmeier verheiratet und lebt in Gauting bei München.
Buchveröffentlichungen: „Das Leben ein Skandal" (2013) und „Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen" (2019).
Die Figuren der Serie
Pfarrer Guido Braun (Ottfried Fischer)
Oberbayerischer katholischer Pfarrer mit einem Hang zum Kriminalisieren, den seine Vorgesetzten für höchst ungeistlich halten. Braun wird im Lauf der Serie regelmäßig von seinem Bischof strafversetzt — von der Nordseeküste über den Harz und Sachsen bis nach Oberbayern. In den Medien der Serienhandlung trägt er den Spitznamen „Tabernakel-Columbo". Bibelfest und schlagfertig, löst er Fälle durch Menschenkenntnis und Hartnäckigkeit. In der letzten Folge stirbt er während eines Gottesdienstes in Rom.
Bischof Sebastian Hemmelrath (Hans-Michael Rehberg, 1938–2017)
Brauns gottesfürchtiger, aber eigeninteressierter Vorgesetzter, der dessen Ermittlungen regelmäßig verbietet — erfolglos. Hemmelrath wettet gern mit Braun um Bibelstellen und verliert dabei meistens. Sein Lebenstraum, nach Rom berufen zu werden, erfüllt sich in der Schlussfolge: Er wird zum Kardinal ernannt.
Margot Roßhauptner (Hansi Jochmann) — Episoden 1–20
Brauns Berliner Haushälterin, im oberbayerischen Dialekt der Serie liebevoll „die Roßhauptnerin" genannt. Kommentiert keck die Ermittlungen ihres Dienstherrn, unterstützt ihn aber bei Bedarf tatkräftig. Berüchtigt für ihren waghalsigen Fahrstil. Ab Episode 21 wird sie durch Haushälterin Inge Haller (Gundi Ellert) ersetzt.
Armin Knopp (Antonio Wannek)
Brauns Messner, der in der ersten Folge aus dem Gefängnis befreit wird. Seine dort erworbenen Fähigkeiten — Schlösser öffnen, Gebärdensprache — erweisen sich bei den Ermittlungen als nützlich. Knopp verliebt sich in fast jeder Folge neu, doch die Strafversetzungen machen jede Romanze zunichte.
Hauptkommissar Albin Geiger (Peter Heinrich Brix)
Eher tollpatschiger Polizist, der ebenfalls häufig versetzt wird und ab der dritten Folge ein Zweckbündnis mit Braun eingeht. In Folge 13 wird er zum Landeskriminalamt befördert.
Monsignore Anselm Mühlich (Gilbert von Sohlern)
Adlatus des Bischofs und Brauns beständiger Gegenspieler innerhalb der Kirchenhierarchie. Intrigant und ehrgeizig, zieht er am Ende aber stets den Kürzeren. Verrät dem Bischof bei Bibelwetten die richtigen Stellen.
Episodenguide — Alle 22 Filme
| Nr. | Titel | Erstausstrahlung | Regie | Drehbuch |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Der siebte Tempel | 17.04.2003 | Martin Gies | Wolfgang Limmer |
| 2 | Das Skelett in den Dünen | 25.04.2003 | Martin Gies | Wolfgang Limmer |
| 3 | Ein verhexter Fall | 15.04.2004 | Dirk Regel | Wolfgang Limmer |
| 4 | Der Fluch der Pröpstin | 22.04.2004 | Dirk Regel | Wolfgang Limmer |
| 5 | Bruder Mord | 31.03.2005 | Dirk Regel | Jörg Brückner |
| 6 | Adel vernichtet | 14.04.2005 | Dirk Regel | Jörg Brückner |
| 7 | Der unsichtbare Beweis | 14.09.2006 | Ulrich Stark | Arndt Stüwe |
| 8 | Drei Särge und ein Baby | 21.09.2006 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 9 | Kein Sterbenswörtchen | 28.09.2006 | Wolfgang F. Henschel | Jörg Brückner |
| 10 | Ein Zeichen Gottes | 29.03.2007 | Wolfgang F. Henschel | Arndt Stüwe |
| 11 | Das Erbe von Junkersdorf | 05.04.2007 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 12 | Braun unter Verdacht | 12.04.2007 | Axel de Roche | Arndt Stüwe |
| 13 | Die Gärten des Rabbiners | 03.04.2008 | Wolfgang F. Henschel | Hartmut Block |
| 14 | Heiliger Birnbaum | 10.04.2008 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 15 | Im Namen von Rose | 09.04.2009 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 16 | Glück auf! Der Mörder kommt! | 16.04.2009 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 17 | Schwein gehabt! | 01.04.2010 | Wolfgang F. Henschel | Ralf Kinder |
| 18 | Kur mit Schatten | 08.04.2010 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 19 | Grimms Mördchen | 21.10.2010 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger, Stephan Reichenberger |
| 20 | Altes Geld, junges Blut | 17.02.2011 | Wolfgang F. Henschel | Cornelia Willinger |
| 21 | Ausgegeigt! | 10.05.2012 | Jürgen Bretzinger | Cornelia Willinger |
| 22 | Brauns Heimkehr | 20.03.2014 | Wolfgang F. Henschel | Wolfgang Limmer |
Stamm-Besetzung: Ottfried Fischer (Pfarrer Braun, 22 Folgen), Peter Heinrich Brix (Kommissar Geiger, 22), Hans-Michael Rehberg (Bischof Hemmelrath, 22), Gilbert von Sohlern (Monsignore Mühlich, 22), Antonio Wannek (Armin Knopp, 21), Hansi Jochmann (Margot Roßhauptner, 20), Gundi Ellert (Inge Haller, 2).
Schauplätze und Drehorte
Ein besonderes Merkmal der Serie: Durch die Strafversetzungen Brauns wechseln die Schauplätze ständig. Jede Doppelfolge spielt in einer anderen Region Deutschlands — gedreht wurde an authentischen Orten.
| Folgen | Fiktiver Ort | Reale Drehorte |
|---|---|---|
| 1–2 | Nordseeinsel Nordersand | Greetsiel, Pilsum (Nordseeküste) |
| 3–4 | Bangerode im Harz | Quedlinburg, Thale, Hexentanzplatz |
| 5–6 | Rheinisches Kloster / Helsingweiler | Kloster Eberbach, Eltville (Rheingau) |
| 7–9 | Pfaffenberg in Sachsen | Sächsische Schweiz, Elbsandsteingebirge, Meißen |
| 10–12 | Fränkisches Weinland / Junkersdorf | Bamberg, Schloss Mainberg |
| 13–14 | Ribbeck im Havelland | Ribbeck, Brandenburg |
| 15–16 | St. Florian (Saarland) | Saarburg, Rheinland-Pfalz |
| 17–18 | Usedom | Usedom |
| 19 | Kassel-Region | Kassel, Nordhessen |
| 20–22 | Nußdorf / Heimatort in Oberbayern | Murnau, Garmisch-Partenkirchen, Oberbayern |
Trivia und Hintergründe
Die Pater-Brown-Verbindung
Die Serie basiert lose auf G.K. Chestertons Father-Brown-Erzählungen. Die musikalische Verbindung ist dabei besonders reizvoll: Die Titelmusik von Martin Böttcher zitiert seine eigene Filmmusik aus den Heinz-Rühmann-Verfilmungen „Das schwarze Schaf" (1960) und „Er kann's nicht lassen" (1962). Die Original-Melodie ist als Klingelton von Brauns Handy zu hören.
„Sir Quickly"
In Folge 8 („Drei Särge und ein Baby") erzählt Braun, er habe im Priesterseminar eine NSU Quickly gefahren und sei „Sir Quickly" genannt worden — eine augenzwinkernde Anspielung auf Fischers legendäre Kultrolle in „Irgendwie und Sowieso" (1986).
Der-Bulle-von-Tölz-Querverweise
In Folge 11 bemerkt Braun, ein Gemälde des Hl. Benno von Meißen passe körperlich nicht zu einem Benno — eine Anspielung auf Fischers Rolle als Benno Berghammer im „Bullen von Tölz". In Folge 3 spielte Michael Lerchenberg einen Richter; im „Bullen von Tölz" war Lerchenberg der Geistliche und Fischer der Ermittler. In der letzten Folge kehrt sich dieses Muster erneut um.
Der Burundi-Gag
In Folge 21 droht Monsignore Mühlich Braun mit einer Versetzung nach Burundi. Im Heinz-Rühmann-Film „Er kann's nicht lassen" (1962) wird Pater Brown nach „Urundi" strafversetzt — einer alten Bezeichnung für Burundi. Die Autoren zitierten damit bewusst die Vorlage.
Ein realer Fall als Vorlage
In Folge 20 („Altes Geld, junges Blut") foltern drei Rentner ihren Finanzberater wegen Verlusten in der Finanzkrise. Ein nahezu identischer Fall ereignete sich 2009 tatsächlich am Chiemsee.
Udo-Jürgens-Anspielung
In Folge 19 („Grimms Mördchen") heißt ein Haschdealer und ehemaliger Zwergendarsteller „Udo Bockelmann" — Udo Jürgens' bürgerlicher Name war Udo Jürgen Bockelmann.
Anrede-Gag: Exzellenz oder Eminenz?
Bischof Hemmelrath wird in der Serie mal als „Exzellenz", mal als „Eminenz" angeredet — wobei „Eminenz" kirchenprotokollgemäß nur Kardinälen zusteht. In Folge 21 weist Monsignore Mühlich ausdrücklich auf diesen Fehler hin. Als Hemmelrath in der letzten Folge tatsächlich zum Kardinal ernannt wird, besteht er sofort auf der nun korrekten „Eminenz".
Musikalischer Wechsel
In Folge 21 („Ausgegeigt!") stammt die Szenenmusik erstmals nicht von Martin Böttcher, sondern von Klaus Doldinger, bekannt für die Titelmusik des Tatort und den Soundtrack zu „Die unendliche Geschichte". Für die Schlussfolge „Brauns Heimkehr" kehrte Böttcher zurück.
Von Pater Brown zu Pfarrer Braun
Die Figur des ermittelnden Geistlichen hat eine über hundertjährige Geschichte. Pfarrer Braun steht in einer Tradition, die von der Literatur über den Film bis zur Bühne reicht:
- G.K. Chesterton: Die Father-Brown-Erzählungen (1911–1935) — 52 Kurzgeschichten um einen unscheinbaren katholischen Priester, der Verbrechen durch Einfühlungsvermögen löst. Mehr zu Chesterton.
- Heinz Rühmann: „Das schwarze Schaf" (1960) und „Er kann's nicht lassen" (1962) — Die ersten deutschen Verfilmungen, mit Filmmusik von Martin Böttcher, die zum akustischen Markenzeichen der Pater-Brown-Tradition wurde.
- Josef Meinrad: TV-Serie „Pater Brown" (1966–1972, ORF/ZDF) — 39 Folgen der österreichisch-deutschen Koproduktion.
- Ottfried Fischer: „Pfarrer Braun" (2003–2014, ARD) — 22 Filme, die Chestertons Grundidee ins moderne Bayern verpflanzen. Böttchers Musik schlägt die Brücke zu den Rühmann-Filmen.
- Pater Brown — Das Live-Hörspiel (seit 2025) — Eine zeitgenössische Adaption, die Chestertons Erzählungen auf die Theaterbühne bringt. Zum Live-Hörspiel.
Produktionsdaten
Produktion: ARD Degeto / Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH
Ausstrahlung: Das Erste (ARD), April 2003 – März 2014
Musik: Martin Böttcher (Folgen 1–20, 22), Klaus Doldinger (Folge 21)
Kamera (wechselnd): Randolf Scherraus, Peter Ziesche, Thomas Etzold, Thomas Meyer, Gerhard Schirlo, Johannes Kirchlechner, Theo Müller, Dragan Rogulj, Stefan Spreer
Quellen und Hinweise
Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenstellung von paterbrown.com und dient der Dokumentation der ARD-Krimireihe „Pfarrer Braun" (2003–2014). Alle Inhalte sind eigenständig recherchiert und formuliert. Episodendaten basieren auf öffentlich zugänglichen Sendeinformationen. paterbrown.com steht in keiner Verbindung zur ARD, ARD Degeto oder der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH.
Siehe auch: Die Figur des Pater Brown | G.K. Chesterton | Father Brown in der Literatur
Die Tradition des ermittelnden Geistlichen lebt auf der Bühne weiter: Das Pater Brown Live-Hörspiel bringt Chestertons Kriminalgeschichten als Theatererlebnis auf die Bühne.